Einige meiner allerersten Produkte waren schwarz-weisse Postkarten. Meine Komfortzone war schon immer das "Arbeiten mit der Linie". Ich liebe klare Konturen, eindeutige Formen und die ruhige Konzentration, die damit einhergeht. So entstand die Idee für Postkarten zum Ausmalen.
Nach einer Weile machte sich allerdings eine gewisse Ernüchterung breit. Nicht alle schienen begeistert davon zu sein, die Karten selbst auszumalen oder kamen gar nicht erst auf die Idee. Ich wurde oft gefragt, ob es die Motive auch in Farbe gäbe, und viele gaben zu, dass ihnen schlicht die Geduld fehlte, die Karten auszumalen. Ehrlich gesagt machte mich das anfangs ein wenig traurig. Gleichzeitig brachte es mich dazu, innezuhalten und mir eine wichtige Frage zu stellen: Hatte ich meine eigenen Karten eigentlich jemals selbst ausgemalt? Die Antwort war nein.
Beim Kolorieren habe ich schon immer dazu geneigt, zu viel nachzudenken. Wenn ich mit Farben arbeite, dann normalerweise digital. Dort kann ich jeden Strich rückgängig machen und endlos Anpassungen vornehmen. Mit analogen Farben zu arbeiten, fühlte sich dagegen ziemlich einschüchternd an. Anstatt dieser Unsicherheit auszuweichen, beschloss ich, sie in eine kleine Übung zu verwandeln.
So entstand die Original Series I. Mit Buntstiften und einer trockenen Maltechnik kolorierte ich alle 11 verfügbaren Motive von Hand. Jede Karte gibt es nur ein einziges Mal – sie ist also wirklich ein Unikat. Für jede einzelne Postkarte nahm ich mir etwa drei bis vier Stunden Zeit, um nach und nach die vielen Details und Texturen herauszuarbeiten.
Und zu meiner eigenen Überraschung: Es macht tatsächlich Spass! Der Prozess bereitete mir so viel Freude, dass ich sogar jede Karte auf der Rückseite mit einem eigens dafür gestalteten Briefmarke versah.
Es war mein persönlicher Raum, um Neues zu lernen, zur Ruhe zu kommen und mit jeder einzelnen Karte ein kleines bisschen mehr loszulassen, vor allem den eigenen Perfektionismus.


